Beispielbild Klärschlammvererdung

Stadtwerke Espelkamp setzen voll auf Klärschlammvererdung

Es stinkt nicht, es rechnet sich, es reduziert im Vergleich zu anderen Verfahren in erheblichem Umfang den CO2-Ausstoss und ist damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz: Die Stadtwerke Espelkamp AöR setzen für die Zukunft voll auf das Verfahren der Klärschlammvererdung. Aus Abwasser wird dabei wertvoller organischer Dünger.

Vorgesehen ist die Anlage in der Standortnähe der Kläranlage an der Osnabrücker Straße. Die Abdichtung der Schilfbeete und der Zuleitung ist dabei so sicher, dass sie auch in Wasserschutzgebieten zulässig ist.

„Das ist ökonomisch die beste Lösung angesichts der geltenden Klärschlammverordnung und ihrer Auflage. Was mich am meisten begeistert: Die entstehenden Schilfbeete für den Vererdungsprozess werden sich harmonisch in die Landschaft einfügen und wie ein Biotop wirken. Geruchsbelästigungen für Anlieger sind ausgeschlossen, weil die dafür verantwortlichen Faulgase bereits vor der Ausbringung auf die Beete bei uns im Klärwerk eliminiert werden“, sagt Stadtwerkevorstand Klaus Hagemeier.

Notwendig geworden sind Überlegungen zu neuen Wegen bei der Klärschlammbehandlung, weil die dafür bislang benutzte technische Anlage im Klärwerk in die Jahre gekommen ist. Es stehen für die Stadtwerke also ohnehin Investitionskosten ins Haus. Da die biologische Vererdung deutlich weniger Betriebskosten verursacht als die herkömmliche Variante, wird neben der Umwelt auch der Geldbeutel der Gebührenzahler geschont.

Mittlerweile gibt es etwa 100 solcher Standorte in Deutschland. Beispielkommunen für die Stadtwerke Espelkamp sind Emden, Norderney und Rothenburg an der Fulda.

Verfahrensablauf

Durchführung der Baumaßnahmen

Bauzeitenbeschränkungen vom 01.09. - 31.03.: Gilt für die Errichtung der Klärschlammvererdungsanlage im Bereich der Ackerfläche sowie für die oberirdisch stattfindenden Bauarbeiten an der Leitungstrasse (offene Bauweise) in unmittelbarer Nähe zur geplanten Klärschlammvererdungsanlage.

 

Räumung des Schilfs in den Beeten vom 01.10. - 29.02.: Vollständige Beseitigung des Schilfs nur außerhalb der Brutzeiten.

Es dürfen max. 2 Beete in einer Vegetationsphase geräumt werden, so dass ausreichend Röhricht für die schilfbewohnenden Arten bestehen bleiben.

  • Einsaat der Außendämme und Randbereiche mit extensiver Kräuter-Blumen-Grasmischung (Förderung der Insektenvielfalt und Laubfrosch)
  • Eingrünung des Technikgebäudes
  • Ergänzung der Baum-Strauchreihe entlang der L770
  • Anlage einer Gebüschreihe im Süden der Anlage

Klärschlammvererdung Espelkamp

Aufbau

Konzept der baulichen Beet-Abdichtung

Die Klärschlammvererdungsanlage wird zum Untergrund mit einer 2,5 mm starken PEHD-Abdichtungsbahn mit DIBt-Zulassung abgedichtet. Die Dichtungsbahn ist wurzelresistent, UV-, und nagetier- und alterungsbeständig sowie beständig gegen mechanische Beanspruchung und Mikroorganismen. Jede Schweißnaht wird einzeln geprüft.

Unter der Kunststoffabdichtungsbahn wird ein elektronisches Leckerkennungssystem verlegt. Mit diesem System lassen sich Abdichtungen vollflächig und unabhängig von der Flächengröße innerhalb kürzester Zeit überprüfen.

Zusätzlich wird das Baufeld mit vier Grundwassermessstellen versehen. Hiermit ist ein umfassendes Monitoring und Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit gewährleistet.

Nutzen der Schilfpflanze

  • belüften
  • strukturieren
  • drainieren
  • trocknen

Endprodukt: „Klärschlammerde“

  • bräunlich, humos, krümelig, erdartig

Gefährdete Arten unter den Nahrungsgästen

Die Klärschlammvererdungsanlage trägt erheblich zur Bereicherung der gefährdeten Arten bei und bietet somit ein großes Potential für den Artenschutz.

  • es wurden 51 Zikadenarten an Standorten von Klärschlammvererdungsanlagen ausgemacht, drei Arten der Roten Liste, zwei Arten der Vorwarnliste
  • die Beeträumung stellt keine Gefahr dar, wenn die Beete zeitversetzt geräumt werden, dies kann auch für manche Arten fördernd wirken

Entscheidungsgründe

Betriebskosten

  • geringster Arbeitsaufwand
  • deutlich weniger Strom für die Schlammbehandlung
  • sehr wenig Zuschlagstoffe
  • verschleißarme Technik

Verwertungskosten

  • 30 – 50 % Massenreduktion
  • 90-96 % Volumenreduktion
  • geringe Verwertungsmenge

Weiche Faktoren

  • geringe Rückbelastung der Kläranlage
  • Funktion > 25 Jahre
  • alle Verwertungswege offen und flexibel
  • die Räumung kann an die Marktsituation angepasst werden
  • Entlastung des Verwertungsmarktes
  • Phosphor-Rückgewinnung möglich
  • deutliche CO2- Einsparung

Im Vergleich zu einer maschinellen Schlammentwässerung werden die Betriebs- und Verwertungskosten bei der natürlichen Schlammentwässerung positiv beeinflusst. Dies führt zu einer Einsparung bei den gebührenfähigen Aufwendungen in Höhe von über 100.000 € /a.

Häufig gestellte Fragen

Was passiert heute mit dem Klärschlamm?

Der Klärschlamm wird heute rein maschinell entwässert.

Warum muss jetzt überhaupt ein neues Verfahren gewählt werden?

Die Klärschlammentsorgung erfordert zwingend eine Entwässerung des bei der Abwasser­reinigung anfallenden Klärschlammes. Die bestehende Maschinentechnik ist veraltet und muss er­neuert werden.

Für eine Schlammentwässerung stehen maschinelle und natürliche Verfahren zur Verfügung. Bei der Planung wurde Wert auf Wirtschaftlichkeit (Gebührenstabilität) und Umweltverträglichkeit (Ökologie) gelegt.

Auf Grundlage der Kostenvergleichsrechnung ergeben sich Vorteile für die Variante Klärschlamm­vererdung als ein natürliches / biologisches Verfahren.

Die Höhe der Einsparung ist abhängig vom Anlagenstandort.

Welche Alternativen wurden geprüft (Verbrennung, Klärschlammkooperation, etc.)?

Die Klärschlammvererdung ist ein Verfahren für die Entwässerung des Schlamms. Die spätere Entsorgung der Klärschlammerde kann wie auch maschinell entwässerter Klärschlamm über variable Verwertungswege erfolgen.

Es wurden die in der Praxis eingesetzten und technisch verfügbaren gängigen Verfahren betrachtet.

Wo wurden die Erkenntnisse für die Geruchsbelästigung gewonnen bzw. wie wird das Gutachten erstellt?

Die Erkenntnisse wurden durch die Besichtigung bestehender Anlagen und in Gesprächen mit den Betreibern gewonnen.

Das Gutachten wird durch ein Fachbüro gemäß den Anforderungen der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft), der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) mit dem Ausbreitungsmodell AUSTAL2000 erstellt.

Wurden andere Verfahren zur Phosphor Aufarbeitung geprüft?

Ja, allerdings sind die meisten Projekte noch in der Entwicklung und noch nicht erprobt.

Aktuell sind noch keine genauen Kosten verfügbar.

Mit der Klärschlammvererdung halten wir uns den Weg in zukünftige Verfahren offen.

Stichwort Kostenkalkulation: In der Vergangenheit sind die Kostenkalkulationen für Projekte häufig nicht eingehalten worden und es gab Kostenüberschreitungen. Wie konservativ ist die Kalkulation? Warum 36 Jahre für die Kalkulation?

Die Kostenkalkulation ist eher konservativ. Die Errichtung soll über einen Generalunternehmer­vertrag abgesichert werden. Damit wird ein hoher Anteil der Herstellungskosten fixiert und der variable Anteil stark gemindert.

Eine Klärschlammvererdung hat auf den Verfahrensablauf der Abwasserreinigung der Kläranlage einen positiven Effekt. Diese zusätzlichen Potentiale zur Stabilisierung der Abwasserreinigung ver­bunden mit Kostenreduzierung sind in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unberücksichtigt. Die momentanen, sehr kurzfristigen Schwankungen im Baugewerbe können nicht seriös kalkuliert werden. Dieser besondere Effekt trifft auch für die Alternativverfahren zur Schlamment­wässerung zu.

Um im Bereich wasserwirtschaftlicher Investitionsmaßnahmen die Wirtschaftlichkeits­berechnungen in hoher Qualität mit standardisierter Methodik und wissenschaftlich abgesicherter Vorgehensweise zu erstellen, sind diese auf Grundlage der Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen (KVR-Leitlinien, DWA 2012) durchzuführen. Hierbei werden die Lebenszykluskosten beim Betrieb einer Anlagentechnik über dem spezifischen Nutzungszeitraum ermittelt und gegenübergestellt. Der Nutzungszeitraum von Klärschlammver­erdungsanlagen beträgt nach DWA* 36 Jahre und für eine Siebbandpresse (maschinelle Entwässerung) 12 Jahre. Der Betrachtungszeitraum der Wirtschaftlichkeitsanalyse ist mit dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen anzusetzen, hier folglich mit 36 Jahren.

*DWA          Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

Wurden an dem geplanten Standort Bodenproben genommen bzw. sind Aushub etc. untersucht worden?

Es wurde eine gutachterliche Untersuchung des überplanten Geländes bezüglich der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse durchgeführt.

Wie bewertet der Naturschutzbeirat des Kreises Minden-Lübbecke das Projekt?

Der Naturschutzbeirat wie auch die untere Naturschutzbehörde bewerten das Projekt positiv.

Ist Klärschlamm giftig?

Nein, Klärschlamm ist nicht giftig. Es handelt sich um einen natürlichen Stoff, der als Kreislaufwirt­schaftsgut wie Düngemittel eingesetzt wird. Klärschlamm wird intensiv beprobt und analysiert. Dabei werden die Vorgaben der Abfallklärschlammverordnung und der Düngemittelverordnung eingehalten.

Wird unser Trinkwasser durch den Klärschlamm vergiftet?

Nein, die Anlage ist mit einer 2,5 mm dicken Deponiefolie abgedichtet. Zudem wird, wie in NRW gefordert, zusätzlich eine Leckerkennung eingebaut. Es werden zusätzlich noch Probebrunnen errichtet, aus denen das Grundwasser regelmäßig untersucht wird. Der in die Anlage eingebrachte Klärschlamm wird auf natürliche Weise entwässert und somit in einen festen Zustand überführt. Der flüssige Anteil befindet sich im obersten Bereich und ist sehr gering. Unten auf der Folie befindet sich das Bodensubstrat für die Schilfpflanzen, darüber der vererdete Klärschlamm und erst im obersten Bereich der flüssige Klärschlamm.

Sind die Schilfpflanzen genverändert?

Nein, die Schilfpflanzen sind nicht genverändert.

Sind die Baukosten überhaupt noch aktuell bei den momentanen Preissteigerungen und wie wirken sich die ganzen Kostensteigerungen auf die Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage aus?

Die Baukosten sind durch einen Vertrag fixiert und damit gesichert. Die allgemeinen Kostensteigerungen wirken sich auf die Wirtschaftlichkeit der Anlage sehr positiv aus. Durch das natürliche Entwässerungsverfahren werden große Mengen Energie (Strom) und Hilfsstoffe eingespart. Des Weiteren wird durch die Volumenreduktion aufgrund der Mineralisierung eine deutliche Einsparung Transport- und Verwertungskosten erzielt. Dadurch erhöht sich die Wirtschaftlichkeit gegenüber der maschinellen Alternativverfahren. Durch die Energieeinsparung (Strom bzw. Diesel beim Transport) finden zu dem deutliche CO2-Einsparungen statt und erhöhen damit auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber den Energielieferanten.

Diese FAQ-Liste befindet sich im Aufbau. Ihre Frage ist in der obigen Auflistung nicht dabei?

Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an: kve@stadtwerke.espelkamp.de.

Eilmeldungen

Aktuell keine Neukundenverträge!

Aufgrund der derzeitigen Lage auf dem Energiemarkt ist es uns leider nicht möglich, Neukundenverträge Strom und Gas abzuschließen. Sobald sich etwas ändert, geben wir es an dieser Stelle bekannt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.